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Анна Степановна Политковская †
Anna Stepanowna Politkovskaya
Foto: © Novaya Gazeta, Moscow
Vortrag mit Abschrift und Audio zur Sendung
am 7. Oktober 2007
aus dem Theater Basel
Am 30. August 1958 in New York geboren, lebte Anna Politkovskaya zumeist in Moskau. An der journalistischen Fakultät der Moskauer Universität brachte sie 1980 das Studium zum Abschluss. Danach arbeitete Anna Politkovskaya bei der Izvestiya, für MegapolisExpress und Obschchaya Gazeta. Seit Ende der neunziger Jahre arbeite sie für die unabhängige Moskauer Tageszeitung Novaya Gazeta.
Am 7. Oktober 2006 wurde Anna Stepanowna Politkovskaja in Moskau erschossen.
Anna Politkovskaya fuhr mehrere Jahre jeden Monat für einige Tage nach Tschetschenien und berichtet von dort über die Auswirkungen der russischen Kriegsführung. Sie klagte die russische Regierung der ethnischen Säuberung an, verschwieg aber auch die Brutalitäten der anderen Seite nicht. Aufgrund ihrer Artikel, die zwischen 1999 und 2000 in der Novaya Gazeta veröffentlicht wurden, erhielt sie 2000 die "Goldene Feder" des russischen Journalistenverbandes.
Im Februar 2001 wurde sie während neuerlicher Recherchen in Tschetschenien kurzfristig inhaftiert und von russischen Soldaten mit Vergewaltigung und
Exekution bedroht. Vor weiteren Reisen in die Kriegsgebiete wurde sie gewarnt, dennoch kehrte sie immer wieder zurück, was zu vermehrten Todesdrohungen
führte. Sie floh für eine Zeitlang nach Wien.
Am 25.Oktober 2002 nahm sie als erste direkte Verhandlungen mit den tschetschenischen
Rebellen auf, die ein Moskauer Theater belagerten.
Für ihre Arbeit wurde Anna Politkowskaya mit vielen ausländischen Preisen geehrt.
Unter anderen mit dem Preis für Journalismus und Demokratie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der
Hermann-Kesten-Medaille des P.E.N.-Zentrums Deutschland und im Jahr 2004 mit dem Olof Palme Preis.
Anna Stepanowna Politkovskaya hat zahlreiche
Artikel und Essays veröffentlicht.
Ihr erstes Buch, "Tschetschenien – Die Wahrheit über den Krieg" erschien zunächst 2002 in
Russland und im Jahr darauf in deutscher Übersetzung.
Ihr zweites Buch, "In Putins Russland" erschien 2005.
Vladimir Putin hat seit
seinem Amtsantritt im März 2000 Russland radikal verändert. Ob Pressefreiheit oder Unabhängigkeit der Justiz - ein autoritäres,
"neo-sowjetisches" Russland ist entstanden: Putins Russland. Die russische Bevölkerung folgt mehrheitlich der präsidialen Propaganda,
die westlichen Staatsmänner praktizieren Männerfreundschaft. Alle Kritik an Putins Kurs, vor allem gegenüber der tschetschenischen
Bevölkerung, die mittlerweile um ein Viertel dezimiert ist, verhallt ungehört.
Anna Politkovskaya, Russlands bekannteste Journalistin,
die bei der versuchten Berichterstattung über die Geiselnahme im kaukasischen Beslan zum Ziel eines Anschlags wurde, erhebt ihre kritische Stimme:
Eindringlich und warnend. Dieses Buch ist ein Appell.
Sie selbst sagte zu ihrem Buch: "Und niemand soll wagen zu behaupten, ich hätte das
alles nicht gesehen, gehört und gespürt. Denn ich habe es am eigenen Leib erlebt.", Anna Stepanowna Politkovskaya.
Ihr letztes Buch „Das Russische Tagebuch“ entstand zwischen Dezember 2003 und September 2005. Anna Politkovskajas Aufzeichnungen beginnen mit Putins
Kampagne zu seiner Wiederwahl und enden mit der eindringlichen Frage: Habe ich Angst? Bis zur Selbstaufgabe engagiert, persönlich und mit Blick
für das Schicksal des Einzelnen, beschreibt sie im „Russischen Tagebuch“ die Politik ihres Landes dieser zwei weichenstellenden Jahre.
Dabei
geht es ihr um politische Ereignisse ebenso, wie um die Stimmung in der Bevölkerung. Ein Bericht aus erster Hand, der wagt, was in Putins Russland
lebensgefährlich ist: die Wahrheit. So zeigt Anna Politkovskaja nicht nur die Verbrechen der russischen Armee in Tschetschenien, sondern auch jene
an den russischen Soldaten und den Kampf ihrer Mütter um die Rechte und Würde ihrer Söhne. Sie prangert Putins »starken Staat« an und
schildert um die Rechte und Würde ihrer Söhne. Sie prangert Putins »starken Staat« an und schildert das Klima der Resignation, der Angst und
der Rechtlosigkeit. Immer wieder beklagte Anna Politkovskaja die Blindheit und mutwillige Ignoranz des Westens gegenüber den Missständen in
ihrer Heimat. Nun, da sich die Welt betroffen zeigt und um sie trauert, sollten wir endlich hören, was sie zu sagen hat.
Zitat aus der Rezension
der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. März 2007:
"Es gibt zwei Arten, jemanden umzubringen: die eine langsam, schleichend, über einen
längeren Zeitraum; die andere plötzlich, von einer Sekunde auf die andere.
Die erste Form, der Giftmord, zielt darauf ab, keine Spuren zu
hinterlassen, und es war dieser Tod, den Politkovskaja zuerst fürchtete. Anfang September 2004 berichtete sie auf einem Flug nach Beslan, Opfer
eines Giftanschlags geworden zu sein. Damals überlebte sie jedoch noch.", Zitatende.
Mit mehreren Schüssen wurde Anna Politkovskaya am 7. Oktober 2006 von bisher unbekannten Tätern im Flur ihres Moskauer Wohnhauses quasi hingerichtet.
Kurz vor ihrem Geburtstag am 30. August 2007 liess die Generalstaatsanwaltschaft verlauten, der Mordfall sei gelöst, die Täter seien gefunden, ein Verfahren werde eröffnet. Weithin wurde es als positiv gewertet, dass nach der allzu langen Zeit während der nichts geschah, eine Verhandlung stattfinden soll. Doch selbst die russische Presse begrüsste die Verlautbarung mit unverhohlener Skepsis.
Der International PEN wie auch andere Menschenrechtsorganisationen fordern die russische Regierung auf, die Verhandlungen gemäss internationaler Standards zu führen.
Am 01. Oktober 2007 hat die unabhängige Tageszeitung Novaya Gazeta die Aktion: "Annas Telefonnummer – (495) 798-10-34“, gestartet. Dies ist die wieder freigeschaltete Durchwahlnummer von Anna Politkovskaya in der Redaktion."
Zitat aus Novaya Gazeta: "Rufen Sie an, alle, die sie schon Mal angerufen haben. Auch jene, die es wollten, aber nicht geschafft haben. Erzählen Sie: Über sich, das Land, die Behörden. Und natürlich, erzählen Sie über Anna."
Heute, am 7. Oktober 2007 wird Novaya Gazeta die Aktion beenden. Für den 8. Oktober ist unter dem Titel "Annas Nummer“ eine Sonderausgabe der Zeitung geplant.
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Nachfolgend erreichen Sie den Vortrag als Audio-Datei (6:53 Min.) in drei Dateigrößen:
192 KB/s mp3-Datei
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-07-vortrag-anna-politkovskaya-theater-basel-192.mp3 |
96 KB/s mp3-Datei
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-07-vortrag-anna-politkovskaya-theater-basel-96.mp3 |
48 KB/s mp3-Datei
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-07-vortrag-anna-politkovskaya-theater-basel-48.mp3 |
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Weitere Informationen hier im Archiv:
.. zur Vita von Anna Politkovskaya
Abschrift und Audio:
Von der Hörfunk-Sendung am 7. Oktober 2007: Anna Politkovskaya "Wir vergessen nicht!" - Kleine Bühne, Theater Basel, wurde hier im Archiv zum zweiten Jahrestag der Ermordung von Anna Politkovskaya am 7. Oktober 2008 der Mitschnitt der Hörfunk-Sendung mit Abschrift und Audio veröffentlicht.
.. zur Sendung mit Abschrift: Anna Politkovskaya "Wir vergessen nicht!", aus
dem Theater Basel
Das nebenstehende Plakat in voller Größe
auf einer separaten Seite (rd. 1,4 MB)
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Aktion der russischen Zeitung Nowaja Gzeta zum ersten Jahrestag der Ermordung von Anna Politkovskaya
Die wieder freigeschaltete Telefonnummer von Anna Politkovskaya in der Redaktion von Nowaya Gazeta.
- Der originale Beitrag aus der unabhängigen russischen Zeitung
Novaya Gazeta und die Übersetzung -
(Vom 05. Oktober 2007)
.. Verbindung zum Original bei Nowaya Gazeta
Buchbeschreibung mit Verbindungen zu Rezensionen |
Tschetschenien – 2003 |
Buchbeschreibung mit Verbindungen zu Rezensionen |
In Putins Russland März 2005 |
Buchbeschreibung mit Verbindungen zu Rezensionen |
Russisches Tagebuch mit einem Vorwort von Sonia Mikich März 2007 |
- Veröffentlichung dieser Seite am 7. Oktober 2008 -
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